Ernährung & Regeneration

Magnesium: Welche Form wirklich zu dir passt

Citrat, Bisglycinat, Malat, Taurat, Carbonat, Threonat: warum die Verbindung entscheidet, nicht die Milligrammzahl auf der Packung.

Dr. Annette Schimmel, Personal Trainerin in Langenfeld Dr. Annette Schimmel Personal Trainerin, Langenfeld
Magnesiumkapseln, Magnesiumöl und magnesiumreiche Lebensmittel wie Grünkohl, Feigen und Nüsse
9 Formen im Vergleich

Bild mit KI erstellt.

„Welches Magnesium soll ich eigentlich nehmen?" Diese Frage höre ich von meinen Klienten fast jede Woche. Mal von einer Läuferin, die nachts unter Wadenkrämpfen leidet. Mal von jemandem, der nach einer stressigen Phase schlechter schläft. Oder einfach von Klienten, die vor dem Drogerie-Regal stehen, zwischen zehn Verpackungen mit Namen wie Citrat, Bisglycinat, Malat oder Taurat, und nicht mehr durchblicken.

Verständlich. Denn am Ende entscheidet nicht die schönste Verpackung oder die höchste Milligrammzahl über die Qualität eines Magnesiumpräparats, sondern die Verbindung, in der das Magnesium steckt. Genau da schaue ich mit meinem medizinischen Hintergrund gern genauer hin: welche Form zu welchem Anliegen passt, und wo die Erwartungen einfach zu hoch sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Magnesium ist an hunderten Stoffwechselprozessen beteiligt, unter anderem an Muskel- und Nervenfunktion, Energiestoffwechsel und dem Elektrolythaushalt.
  • Ein ausgeprägter Mangel ist bei gesunden Menschen selten, trotzdem erreichen viele die empfohlene Zufuhr über die Ernährung nicht dauerhaft.
  • Organische Verbindungen wie Citrat, Bisglycinat und Malat werden deutlich besser aufgenommen als anorganische wie Oxid.
  • Wichtiger als die Milligrammzahl auf der Packung ist das enthaltene „elementare Magnesium", also die tatsächlich verwertbare Menge.
  • Gegen Wadenkrämpfe beim Sport hilft Magnesium zuverlässig nur, wenn tatsächlich ein Mangel vorliegt.
  • Mehr als 250 mg Magnesium zusätzlich zur Ernährung solltest du nicht ohne Rücksprache mit Arztpraxis oder Apotheke einnehmen.

Warum du dich auf diese Einschätzung verlassen kannst

Rund 25 Jahre medizinischer Hintergrund Studierte Tierärztin, bevor der Wechsel zur Personal Trainerin kam.
Ausgebildete Personal Trainerin Schwerpunkt auf funktionellem Training, Gesundheitssport und Ernährungscoaching.
13 Trainer- und Ernährungslizenzen Vollständig gelistet auf der Startseite im Abschnitt Qualifikationen.

Warum dein Körper Magnesium braucht

Magnesium ist an mehreren hundert Stoffwechselprozessen beteiligt. Dazu gehören unter anderem die normale Funktion von Muskeln und Nerven, die Energiegewinnung in den Zellen, der Eiweißaufbau, der Elektrolythaushalt und der Erhalt normaler Knochen. Diese Funktionen sind wissenschaftlich gut belegt.

Gerade Muskeln und Nervenzellen reagieren empfindlich auf eine unzureichende Versorgung. Das erklärt, warum Beschwerden wie Muskelkrämpfe, Muskelzucken oder Reizbarkeit häufig mit einem Magnesiummangel in Verbindung gebracht werden, auch wenn das im Einzelfall nicht automatisch stimmen muss.

Wer regelmäßig trainiert und dabei viel schwitzt, verliert über den Schweiß zusätzlich Magnesium, Natrium und Kalium. Bei intensivem Training in der Wärme kommt dazu, was ich im Beitrag Schlafen bei Hitze beschrieben habe: Ein gestörter Elektrolythaushalt macht sich oft zuerst nachts bemerkbar, über schlechteren Schlaf und langsamere Regeneration.

Wie häufig ein Mangel wirklich ist, und woran du ihn nicht sicher erkennst

Ein ausgeprägter Magnesiummangel ist bei gesunden Menschen eher selten. Trotzdem erreichen viele Menschen die empfohlene Zufuhr über die Ernährung nicht dauerhaft, unter anderem weil Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen im Alltag oft seltener auf dem Teller landen als stark verarbeitete Lebensmittel.

Einen höheren Bedarf können unter anderem folgende Situationen mit sich bringen: regelmäßiger Ausdauersport, starkes Schwitzen, chronischer Stress, Schwangerschaft und Stillzeit, bestimmte entwässernde Medikamente oder Säureblocker sowie manche Magen-Darm-Erkrankungen, bei denen Magnesium schlechter aufgenommen wird.

Im Internet kursieren lange Listen mit angeblichen Mangel-Symptomen, von Muskelkrämpfen über Müdigkeit bis Herzstolpern. Das Problem: Diese Beschwerden sind alle sehr unspezifisch und können ebenso gut andere Ursachen haben, zum Beispiel schlicht zu wenig Regeneration zwischen Trainingseinheiten, Flüssigkeitsmangel oder Stress. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden würde ich das immer ärztlich abklären lassen, statt vorschnell zu supplementieren.

Wenn du wirklich wissen willst, ob dein Magnesiumspiegel niedrig ist, ist der erste sinnvolle Schritt ein Gespräch in der Hausarztpraxis, nicht das Präparat auf eigene Faust. Die Magnesium-Bestimmung im Blut kann jede Hausarztpraxis ganz normal mitbestellen, dafür braucht es keine Überweisung zu einem Spezialisten. Wichtig zu wissen ist dabei: Der übliche Bluttest misst Magnesium im Serum, also im flüssigen Anteil des Blutes. Das ist einfach und schnell, hat aber eine Schwäche. Serum-Magnesium macht nur einen sehr kleinen Teil des gesamten Magnesiums im Körper aus, der große Rest steckt in Knochen und Zellen, und der Körper hält den Serumwert bevorzugt stabil, notfalls auf Kosten der Zellspeicher. Ein unauffälliger Serumwert schließt einen beginnenden Mangel deshalb nicht sicher aus.

Gut zu wissen, Referenzwerte: Der Referenzbereich für Magnesium im Serum liegt je nach Labor bei etwa 0,7 bis 1,1 mmol/l. Manche Fachleute empfehlen inzwischen, die untere Grenze auf rund 0,85 mmol/l anzuheben, weil die bisher üblichen unteren Grenzwerte einen beginnenden Mangel oft nicht zuverlässig erfassen. Die Blutabnahme dafür übernimmt die Hausarztpraxis, kein Ernährungsmediziner nötig. Ob die gesetzliche Krankenkasse die Kosten trägt, hängt an der medizinischen Begründung: Bei einem konkreten Anlass wie Beschwerden, Medikamenten oder einer Vorerkrankung ist es eine Kassenleistung. Ohne konkreten Anlass, also rein vorsorglich, ist es meist eine IGeL-Selbstzahlerleistung, für die reine Laboranalyse meist im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich.

Wenn der einfache Serumwert unauffällig ist, die Beschwerden aber bleiben, gibt es genauere, aber seltener angebotene Methoden: die Bestimmung von Magnesium im Vollblut beziehungsweise in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten-Magnesium), oder ein Magnesium-Belastungstest, bei dem gemessen wird, wie viel von einer verabreichten Menge der Körper wieder ausscheidet. Solche Tests bieten nicht alle Hausarztpraxen an, dafür lohnt sich gezielt die Nachfrage oder der Weg zu einer Praxis mit Schwerpunkt Ernährungsmedizin.

Warum Magnesium nicht gleich Magnesium ist

Wenn auf einer Packung groß „400 mg Magnesium" steht, heißt das noch nicht, dass dein Körper diese Menge auch aufnehmen kann. Magnesium liegt in Präparaten nie als reines Element vor, sondern immer gebunden an eine andere Verbindung, zum Beispiel an Citrat, Glycin, Apfelsäure oder Oxid. Welche Verbindung es letztlich ist, entscheidet, wie gut das Magnesium aufgenommen wird, wie verträglich es ist und ob es eher den Darm anregt oder besonders magenfreundlich ist.

Man unterscheidet grob zwischen organischen Verbindungen (etwa Citrat, Bisglycinat, Malat, Taurat, L-Threonat), die meist gut aufgenommen werden, und anorganischen Verbindungen (etwa Oxid, Carbonat, Chlorid, Sulfat), die zwar oft einen höheren Magnesiumanteil pro Gramm haben, wovon aber unterschiedlich viel tatsächlich verwertet wird. „Organisch" bezieht sich hier rein auf die chemische Bindung, nicht auf ökologischen Anbau.

Wie viel von einer aufgenommenen Menge tatsächlich im Körper ankommt, nennt man Bioverfügbarkeit. Zur Veranschaulichung: Kaufst du zehn Äpfel und drei davon sind ungenießbar, isst du am Ende nur sieben. Genauso können zwei Präparate mit identischer Milligrammzahl auf der Packung sich stark darin unterscheiden, was dein Körper davon tatsächlich nutzen kann.

Dazu kommt der Begriff des elementaren Magnesiums: Ein Präparat mit 1000 mg Magnesiumbisglycinat enthält nicht 1000 mg reines Magnesium, sondern nur einen Teil davon, der Rest ist die Aminosäure Glycin. Hochwertige Präparate weisen deshalb beides aus, die Menge der Verbindung und die Menge des tatsächlich enthaltenen elementaren Magnesiums. Für deinen Körper zählt am Ende nur Letzteres.

Die wichtigsten Magnesiumformen im Überblick

Nicht jede Magnesiumform ist gleich. Der Unterschied liegt vor allem darin, wie gut der Körper das Magnesium aus der jeweiligen Verbindung aufnehmen kann und wie sie im Darm wirkt. Zur Orientierung, aufgeteilt nach organischen und anorganischen Verbindungen.

Drei Magnesium-Präparate im Vergleich: Malat, Citrat und Glycinat
Bild mit KI erstellt.

Organische Verbindungen: meist gut aufnehmbar

  • Bisglycinat

    Sehr gut aufnehmbar, meist besonders magen- und darmschonend. Erste Wahl für den Abend.

  • Citrat

    Gut aufnehmbar, günstiger Allrounder. In höheren Mengen leicht abführend.

  • Malat*

    Gut aufnehmbar und verträglich, beliebt für den aktiven Alltag am Morgen.

  • Taurat

    Gut aufnehmbar, meist gut verträglich, aber teurer und weniger gut untersucht.

  • L-Threonat

    Mäßige Aufnahme, wenig elementares Magnesium, teuer. Forschung zur kognitiven Wirkung läuft noch.

Anorganische Verbindungen: unterschiedlich gut nutzbar

  • Carbonat

    Ordentliche Aufnahme, abhängig von der Magensäure. Meist günstig.

  • Chlorid

    Oral gut aufnehmbar. Als „Magnesiumöl" auf der Haut wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.

  • Oxid

    Schlecht aufnehmbar und stark abführend. Eher kurzfristig bei Verstopfung.

  • Sulfat

    Für die Versorgung kaum relevant, medizinisch als Abführmittel, nur unter ärztlicher Aufsicht.

* Apfelsäure (auch Malat genannt) ist eine Fruchtsäure, die zum Beispiel in Äpfeln natürlich vorkommt und auch bei der Energiegewinnung in unseren Zellen eine Rolle spielt, daher der Name Magnesiummalat.

Magnesium-Komplexe, die mehrere dieser Verbindungen kombinieren, klingen auf den ersten Blick sinnvoll. Ob sie einer einzelnen, gut gewählten Form tatsächlich überlegen sind, ist wissenschaftlich bislang nicht eindeutig belegt. Für die meisten gesunden Erwachsenen reicht ein einziges, gut verträgliches Präparat völlig aus.

Auch Werbeaussagen wie „marines Magnesium" oder „Magnesium aus dem Toten Meer" klingen hochwertig, sagen für sich genommen aber wenig über die Qualität aus. Entscheidend bleibt die chemische Verbindung, nicht die Herkunftsgeschichte.

Welche Form zu welchem Anliegen passt

Ob und welche Form sich lohnt, hängt stark vom Anliegen ab. Bei Muskelkrämpfen im Sport ist die Antwort differenzierter, als das Marketing oft suggeriert: Besteht tatsächlich ein Mangel, kann eine ausreichende Magnesiumzufuhr helfen, die normale Muskelfunktion zu unterstützen. Liegt kein Mangel vor, zeigt die Studienlage zu akuten, anstrengungsbedingten Wadenkrämpfen keinen klaren Vorteil gegenüber einem Scheinpräparat, häufiger verantwortlich sind muskuläre Ermüdung, eine zu schnelle Belastungssteigerung und, gerade im Sommer, starkes Schwitzen bei zu wenig Flüssigkeit. Wichtig dabei: Magnesium wirkt nicht wie ein Schmerzmittel. Liegt tatsächlich ein Mangel vor, dauert es oft Tage bis Wochen, bis sich die Speicher füllen und ein Effekt überhaupt spürbar wird. Bewährt haben sich hier vor allem Citrat und Bisglycinat.

Beim Schlaf ist die Erwartungshaltung oft ähnlich hoch. Magnesium wird gern als natürliches Schlafmittel beworben, das trifft so aber nicht zu: Es macht nicht müde und ersetzt keine Schlaftablette. Es unterstützt aber die normale Funktion von Nervensystem und Muskulatur, und wer schlecht versorgt ist, berichtet teils über Schlafprobleme oder innere Unruhe. Für den Abend wird deshalb meist Bisglycinat empfohlen, unter anderem wegen der guten Verträglichkeit. Ähnlich verhält es sich bei Stress: Unter Belastung verändert sich der Magnesiumstoffwechsel, umgekehrt ist Magnesium wichtig für viele Prozesse im Nervensystem. Ob Stress Magnesium im eigentlichen Sinn „verbraucht", lässt sich nicht ganz so einfach belegen, bei chronischem Stress kann eine ausreichende Versorgung trotzdem sinnvoll sein, ersetzt dabei aber keine Entspannungstechniken oder Bewegung. Auch hier eignet sich meist Bisglycinat für den Abend.

Bei Migräne wird es differenzierter. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Magnesium die Häufigkeit von Attacken bei manchen Menschen senken kann, deshalb wird es in einigen Leitlinien als mögliche ergänzende Maßnahme erwähnt. Die dabei verwendeten Mengen liegen aber oft über der allgemeinen Höchstmenge für Nahrungsergänzung. Das ist ausdrücklich kein Do-it-yourself-Thema, sondern gehört in ärztliche Begleitung.

Und im Trainingsalltag selbst? Wer viel und intensiv trainiert und dabei stark schwitzt, kann einen höheren Bedarf haben. Wer sich ausgewogen ernährt und normal belastet ist, deckt seinen Bedarf meist bereits über die Ernährung. Für eine gezielte Ergänzung eignen sich vor allem Citrat, Bisglycinat oder Malat, entscheidend ist am Ende die individuelle Verträglichkeit.

Unsicher, was dein Körper wirklich braucht?

Gemeinsam schauen wir uns deinen Trainingsalltag an und finden heraus, worauf es bei dir wirklich ankommt, nicht nur bei Magnesium.

Wie viel Magnesium du wirklich brauchst

Der Bedarf hängt von Alter, Geschlecht und Lebenssituation ab. Als Richtwert nennen die Fachgesellschaften für Erwachsene ab etwa 25 Jahren rund 300 mg für Frauen und rund 350 mg für Männer pro Tag, gemeint ist dabei immer reines, elementares Magnesium. Für Schwangere und Stillende gelten ähnliche Werte. Das sind Schätzwerte, keine exakt gemessenen Bedarfswerte, und sie beziehen sich auf die gesamte Zufuhr, also Ernährung plus Nahrungsergänzung zusammen, nicht auf ein Präparat obendrauf.

Über eine ausgewogene Ernährung mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und grünem Blattgemüse lässt sich dieser Wert bei den meisten Menschen erreichen. Ob du zu den Menschen gehörst, die tatsächlich mehr brauchen, würde ich immer im persönlichen Gespräch klären, nicht pauschal auf Verdacht per Nahrungsergänzung lösen.

Einnahme, Timing und Wechselwirkungen mit Medikamenten

Es gibt keinen „perfekten" Einnahmezeitpunkt, wichtiger als die Uhrzeit ist die regelmäßige Einnahme. Trotzdem haben sich ein paar Faustregeln bewährt: Magnesiummalat wird häufig eher morgens genommen, Bisglycinat eher abends. Zu einer Mahlzeit wird Magnesium von den meisten Menschen besser vertragen als auf nüchternen Magen. Bei höheren Dosierungen lohnt es sich, die Tagesmenge auf zwei Portionen aufzuteilen, um Magen und Darm nicht auf einmal zu belasten.

Wechselwirkungen werden oft unterschätzt: Bestimmte Antibiotika (etwa Tetracycline und Chinolone) sowie Bisphosphonate gegen Osteoporose können mit Magnesium schwer lösliche Verbindungen bilden, die die Aufnahme von beidem verschlechtern. Ein Abstand von mehreren Stunden zwischen der Einnahme wird deshalb empfohlen. Auch Eisenpräparate solltest du zeitversetzt einnehmen, weil Magnesium und Eisen im Darm um dieselben Aufnahmewege konkurrieren, ein Abstand von rund 2 Std. gilt als sinnvoll. Nimmst du regelmäßig Medikamente, sprich das am besten konkret mit deiner Arztpraxis oder Apotheke ab, bevor du Magnesium dazu nimmst.

Nebenwirkungen und Höchstmenge

Über die Ernährung allein lässt sich Magnesium bei gesunden Menschen praktisch nicht überdosieren: Der Körper nimmt aus der Nahrung nur so viel auf, wie er gerade braucht, und scheidet den Rest über die Nieren wieder aus. Wo also keine Überdosierung möglich ist, gibt es logischerweise auch keine Nebenwirkungen dadurch.

Bei einem Nahrungsergänzungsmittel ist das anders, weil es dem Körper auf einen Schlag deutlich mehr Magnesium anbietet, als er über normale Mahlzeiten je bekommen würde. Deshalb gilt hier „viel hilft viel" ausdrücklich nicht: Eine höhere Dosis wirkt nicht automatisch besser, sie erhöht vor allem das Risiko für Nebenwirkungen. Bei Nahrungsergänzungsmitteln gilt eine zusätzliche Tageshöchstmenge von 250 mg Magnesium als unbedenklich. Oberhalb davon steigt das Risiko für weichen Stuhl, Durchfall, Bauchkrämpfe und Übelkeit, vor allem bei Citrat und Oxid. Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten Magnesium-Präparate grundsätzlich nur nach Rücksprache mit ihrer Arztpraxis einnehmen, weil die Nieren überschüssiges Magnesium sonst nicht zuverlässig ausscheiden können.

Fragen zur richtigen Dosierung?

Ob und wie viel Magnesium für dich sinnvoll ist, klären wir am besten gemeinsam, gerade wenn du Medikamente nimmst oder unsicher bist.

Die häufigsten Fehler beim Magnesiumkauf

In meinen Beratungen sehe ich immer wieder dieselben Missverständnisse.

  1. Nur auf die Milligrammzahl schauen

    400 mg klingt nach mehr als 200 mg, entscheidend ist aber die Verbindung und wie viel elementares Magnesium tatsächlich drinsteckt.

  2. Sich von Werbeworten beeindrucken lassen

    „Ultra", „Premium" oder „High Performance" sind Marketing-Worte, keine Qualitätsmerkmale. Ein Blick auf die Zutatenliste sagt mehr als die Vorderseite der Verpackung.

  3. Mehrere Präparate gleichzeitig kombinieren

    Um „alles abzudecken" mehrere Formen gleichzeitig zu nehmen, ist in den meisten Fällen nicht nötig. Ein gut gewähltes Präparat reicht völlig aus.

  4. Die Ernährung dabei vergessen

    Ein Nahrungsergänzungsmittel kann eine ausgewogene Ernährung sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen.

Erst essen, dann ergänzen: mein Fazit aus dem Alltag mit Klienten

In den meisten Fällen, die mir im Training begegnen, würde ich zuerst auf den Teller schauen, bevor ein Präparat ins Spiel kommt: Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Nüsse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und grünes Blattgemüse liefern nennenswerte Mengen Magnesium, ganz ohne Beipackzettel. Ein Präparat kann sinnvoll sein, wenn das über längere Zeit nicht reicht, du sehr viel und intensiv trainierst, oder eine ärztlich festgestellte Unterversorgung vorliegt.

Dabei lohnt sich ein zweiter Blick, denn Magnesium steckt in Lebensmitteln nie als eine einzelne Verbindung wie im Präparat, sondern in einem natürlichen Mix aus mehreren Formen. In grünem Blattgemüse wie Spinat sitzt ein Teil davon direkt im Chlorophyll, dem grünen Blattfarbstoff, gleichzeitig bremst die Oxalsäure im Spinat die Aufnahme aber spürbar. Bei Nüssen, Samen und Vollkornprodukten ist ein Teil des Magnesiums an Phytinsäure gebunden, das verringert die Aufnahme etwas, lässt sich aber durch Einweichen oder Rösten abschwächen. Bananen enthalten dagegen deutlich weniger Oxalsäure und Phytinsäure, ihr Magnesium lässt sich entsprechend unkomplizierter aufnehmen. Pauschal lässt sich also nicht sagen, dass ein Präparat immer besser aufgenommen wird als Magnesium aus der Nahrung, das hängt stark vom jeweiligen Lebensmittel ab.

Magnesiumreiche Lebensmittel: Blattgemüse, Kürbiskerne, Mandeln, Feigen und dunkle Schokolade
Bild mit KI erstellt.

Ein Beispiel aus dem Trainingsalltag: Bei einer Klientin, die viermal die Woche trainiert und im Sommer stark schwitzt, schauen wir zuerst gemeinsam auf ihren Speiseplan, bevor wir über ein Präparat sprechen. Erst wenn das über Wochen nicht reicht oder die Trainingsbelastung sehr hoch ist, wird ein Präparat für mich überhaupt ein Thema, am liebsten nach kurzer Rücksprache mit der Hausarztpraxis.

Mein Fazit

Es gibt nicht die eine perfekte Form

Es gibt aber für die meisten Anliegen eine Form, die besser zu dir passt als eine andere, und für viele der Beschwerden, wegen denen Magnesium gekauft wird, vor allem Wadenkrämpfe ohne nachgewiesenen Mangel, ist die Studienlage schwächer, als das Marketing suggeriert.

Bist du unsicher, welche Form und Menge zu dir passt? Sprich mich einfach darauf an, dann schauen wir uns das gemeinsam an.

Häufige Fragen zu Magnesium

Welche Magnesiumform wird am besten aufgenommen?

Organische Verbindungen wie Bisglycinat, Citrat und Malat werden in der Regel besser aufgenommen als anorganische wie Oxid. Bisglycinat gilt zusätzlich als besonders gut verträglich.

Wie viel Magnesium sollte ich täglich einnehmen?

Als Richtwert gelten für Erwachsene rund 300 mg für Frauen und 350 mg für Männer am Tag, inklusive der Zufuhr über die Ernährung. Gemeint ist dabei immer reines, elementares Magnesium, nicht die Menge der jeweiligen Verbindung wie Citrat oder Bisglycinat.

Hilft Magnesium wirklich gegen Wadenkrämpfe?

Nur zuverlässig, wenn tatsächlich ein Mangel vorliegt. Ohne nachgewiesenen Mangel zeigt die Studienlage zu akuten Sportkrämpfen keinen klaren Vorteil gegenüber einem Scheinpräparat.

Was bedeutet „elementares Magnesium"?

Die Menge des chemisch reinen Magnesiums in einem Präparat, im Unterschied zur Gesamtmenge der Verbindung, etwa Bisglycinat. Nur das elementare Magnesium zählt für deinen Körper.

Welche Form eignet sich bei empfindlichem Magen oder Darm?

Magnesiumbisglycinat gilt als besonders magen- und darmschonend, weil es über einen anderen Weg im Darm aufgenommen wird als andere Formen.

Kann man Magnesium überdosieren?

Über normale Lebensmittel praktisch nicht, der Körper reguliert die Aufnahme selbst. Bei Nahrungsergänzung gilt eine zusätzliche Tageshöchstmenge von 250 mg als unbedenklich, darüber steigt vor allem das Risiko für Durchfall.

Darf ich Magnesium zusammen mit Medikamenten einnehmen?

Bei bestimmten Antibiotika, Bisphosphonaten und Eisenpräparaten empfiehlt sich zeitlicher Abstand zur Magnesium-Einnahme. Sprich das bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme mit deiner Arztpraxis oder Apotheke ab.

Sind Magnesium-Komplexe besser als eine einzelne Form?

Ein wissenschaftlicher Vorteil gegenüber einer einzelnen, gut gewählten Verbindung ist bisher nicht eindeutig belegt. Für die meisten Menschen reicht ein Präparat.

Wann sollte ich Magnesium einnehmen, morgens oder abends?

Beides ist möglich, wichtiger als die Uhrzeit ist die regelmäßige Einnahme. Malat wird oft morgens genommen, Bisglycinat eher abends.

Reicht Magnesium aus der Ernährung oder brauche ich ein Präparat?

Bei ausgewogener Ernährung mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und grünem Gemüse lässt sich der Bedarf meist decken. Ein Präparat kann bei nachgewiesenem Mehrbedarf oder Mangel sinnvoll sein.

Dr. Annette Schimmel, Personal Trainerin aus Langenfeld
Über die Autorin

Dr. Annette Schimmel

Personal Trainerin in Langenfeld und Umgebung

Ursprünglich Tierärztin, heute Personal Trainerin: Rund 25 Jahre medizinischer Hintergrund treffen auf 13 Trainer- und Ernährungslizenzen. Der Schwerpunkt liegt auf funktionellem Training, Gesundheitssport und einer Betreuung, die zum echten Alltag passt.

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